Alles Gute zu Weihnachten und ein erfolgreiches und gesundes neues Jahr!

Das war eine wichtige Erkenntnis, die wir in das neue Schuljahr mitgenommen haben. Dennoch zeigt sich, wie sehr die Zeit des „Home-schooling“ auch ihre Schattenseiten mit in das neue Schuljahr gebracht hat. Sich wieder in einer Klassengemeinschaft einzufinden und sich den Regeln der Schule und des Unterrichts zu stellen, ist für einige Schüler:innen eine Hürde. Wir Pädagog:innen machen uns viele Gedanken darüber, wie wir alle Schüler:innen erreichen können. Das ist eine große Aufgabe, denn jeder von Euch und von uns ist anders. Deshalb ist es so wichtig, dass wir die Regeln, die das gemeinschaftliche Lernen und Leben unterstützen, beachten und wenn nötig auch immer wieder gemeinsam neu verhandeln. 

Wir haben trotz der aufwändigen Lernstandserhebungen ein gemeinsames, kleines Schulfest vor den Herbstferien organisiert.  Obwohl es nicht viel Zeit war, dieses zu organisieren, haben am Ende viele helfende Hände mitgemacht und gemeinsam mit Euren Pädagog:innen habt ihr Präsentationen zeigen, an kleinen Darbietungen mitmachen und kulinarische Feinheiten genießen können. 

Nicht vergessen möchte ich auch die Gedenkfeier, die wir Mitte September zur Erinnerung an zwei Schülerinnen und einer Lehrerin veranstaltet haben, die Opfer des Attentats in Nizza, im Sommer 2016 geworden sind. Ich denke, ich spreche da für viele, wie ergreifend die Feier für alle Anwesenden gewesen ist und wie wichtig sie für uns alle war. Erinnern und nicht Vergessen. Salma, Sina und Saskia sind uns durch diese Feier wieder noch mehr ins Bewusstsein gekommen und auch, wie schnell verwundbar unsere Welt von einer Minute auf die andere ist. 

Wie auch im letzten Weihnachten sind wir wieder in einer Situation, in der wir uns gegenüber einer weltweiten Pandemie sehen, die immer noch nicht zu Ende ist. 

Wir alle hatten gehofft, dass wir in dieses Weihnachten ohne Beschränkungen mit Familien und Freunden zusammen sein und unbefangener als im letzten die Feiertage genießen können. Das sieht jetzt leider anders aus. Omikron zeigt uns gerade, dass wir nicht alles vorausplanen und kontrollieren können, wie wir es wollen und es bis zur Coronakrise gewohnt waren. 

Ich denke, dass wir alle gemeinsam wirklich keine große Lust mehr haben, uns weiterhin nur mit Masken und auf Abstand zu begegnen und immer wieder neue Regelungen beachten müssen. Dennoch, ich denke, dass für uns alle in dieser Krise auch eine Chance besteht zu lernen. Dank dem Geschichtsgrundkurs, mit dem ich in diesem Jahr ins alte Griechenland, dann nach Rom und jetzt ins Mittelalter hineinsinken konnte, habe ich mich wieder einmal mit Seneca und den Stoikern beschäftigen dürfen. Die Lehre der Stoiker sagt in knappen Worten aus, dass das Leben außerhalb von einem selbst nicht veränderbar ist und nur das eigene Leben, die Art und Weise des Umgangs mit Schicksalsschlägen, mit Unvorhersehbaren verändert werden kann. So versuche ich, die derzeitige Situation zu sehen. 

Was können wir anderes machen, als uns und unsere Umgebung bestmöglich vor dem Virus zu schützen? Natürlich kann immer wieder Kritik an der einen oder anderen Maßnahme geäußert werden, doch, und dazu fiel mir ein Zitat von Hannah Arendt in die Augen, die meinte: „Wer nur falsch und richtig sucht, ist einfach ein Rechthaber“. 

Ich selbst wüsste auch nicht, ob ich es als Verantwortliche für die Erteilung all dieser Regelungen und Maßnahmen besser machen würde.

Wir sind in einer Situation, die für alle neu ist. Deshalb ist es ja so schwierig, Berechnungen anzustellen, wann das Virus uns wieder in unsere bekannte Realität entlässt. Diese wird wohl nicht mehr kommen, jedenfalls nicht die von 2019. 

Soweit feststeht, dass Corona in den Bereich der Zoonosen fällt, wissen wir auch, dass es die Menschheit selbst ist, die diesen Virus zu verantworten hat. Zuviel und zu häufig werden immer noch Gebiete kultiviert und eingenommen, die nur Tieren und ihrer Lebenswelt überlassen waren. Der menschengemachte Klimawandel tut ein Übriges dazu, dass die Welt, in der wir leben nicht mehr so vorhersehbar erscheint. 

In der Zeit der Lockdowns sind einige gute Bücher entstanden.  Eines davon heißt Februar 1933 und spielt um den 30. Januar 1933 und die Machtübernahme der Nazis. Er handelt von den Literaten, Artisten und all jenen, die Gegner des zukünftigen Regimes waren. Die meisten waren sich bewusst, dass sie Deutschland verlassen mussten. Keiner wusste, wie lange. Ich habe das Buch mit Spannung gelesen, auch weil ich trotz der vielen, sehr erschreckenden und brutalen Szenen wusste, wie die Geschichte weiterging. Das weiß ich heute nicht. Genau wie die Menschen damals. 

Es ist mir deshalb so bewusst geworden, wie wichtig es ist, Anteil zu nehmen, an den Herausforderungen unserer Zeit und besonders zu sehen, wie leicht eine Demokratie in ein autoritäres System gleiten kann. Damit meine ich nicht die Diskussion um die Coronaregelungen, sondern um den Umgang mit Rechtsextremismus und Antisemitismus. Gerade unsere Schule hat mir ihrer Namensgeberin einen Auftrag, sensibel und aufmerksam gegenüber diesen Strömungen und Tendenzen zu sein. Ich hoffe, dass die neue Regierung mit ihrem Ziel, sich mehr und offen gegenüber rechtsextreme Aktivitäten zu stellen, deutlich und wahrhaftig nachkommt. 

Meines Erachtens ist eine wichtige Maßnahme dabei das offene und gemeinsame Gespräch miteinander. Darum möchten wir noch mehr als bisher, liebe Schüler:innen, mit Euch gemeinsam diese Schule als einen Ort des Wachsens und gemeinsamen Respektierens gestalten. 

In diesem Sinne hoffe und wünsche ich mir, dass wir die Coronakrise für uns gemeinsam nutzen, uns im nächsten Jahr gegenseitig Mut und Stärke geben und uns überlegen, wo wir unsere Energie miteinander verbinden und Kritik proaktiv einsetzen  können. 

 

Ich wünsche Euch und Ihnen frohe Feiertage, besinnliche Momente zusammen mit Euren /Ihren Lieben und ein gemeinsames, starkes 2022.

 

 

Herzliche Grüße,

Ihre 

Brigitte Kather

 

 

 


 

 

[ Kat, So, 19.12.2021 ]